Licht

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licht [lɪçt] <Adj.>:
1. dünn bewachsen, kleinere Zwischenräume aufweisend:
eine lichte Stelle im Wald; seine Haare werden licht.
Syn.: schütter.
2. (geh.)
a) von Licht, Helligkeit erfüllt:
der lichte Tag bricht an.
Syn.: hell, sonnig.
b) von angenehm heller Farbe:
das lichte Grün der jungen Birken.
3. (Fachspr.) von Innenseite zu Innenseite gemessen:
die lichte Weite des Rohres.

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lịcht 〈Adj.; -er, am -es|ten〉
1. hell
2. weitstehend, mit Zwischenräumen (Saat, Wald)
● einen \lichten Augenblick haben kurze Zeit bei klarem Verstand sein (bei Geistesstörungen); 〈fig.〉 plötzlich klare Einsicht haben; \lichtes Blau, \lichte Höhe, \lichte Weite Abstände zw. den inneren Begrenzungen einer Öffnung od. eines Raumes; \lichte Stelle im Wald Stelle, wo Bäume abgeholzt wurden; es war schon \lichter Tag; einen Edelstein \licht fassen so, dass das Licht durchscheint; die Bäume stehen hier \lichter (als dort); der Wald wurde allmählich \lichter [<ahd. lioht, engl. light <germ. *liuhta- „licht“; zu idg. *leuk- „leuchten, strahlen“; verwandt mit leuchten, Lob, Lohe „Flamme“, Luchs]

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Lịcht: im allg. Sinne der sichtbare Bereich des Spektrums elektromagnetischer Strahlung (380–780 nm), im erweiterten Sinne mit Einschluss anschließender Gebiete der Infrarot- u. der Ultraviolettstrahlung.

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lịcht <Adj.> [mhd. lieht, ahd. lioht, urspr. = leuchtend, strahlend]:
1.
a) (geh.) offen u. dadurch angenehmerweise von viel [Tages]licht erhellt; voll freundlicher Helligkeit; lichtdurchflutet:
ein -er Morgen, Raum;
am -en Tag (bei Tageslicht, am Tag);
der Nebel hob sich, es wurde -er;
b) von angenehm heller Farbe:
ein -es Rot;
das -e Grün der jungen Birken.
2. dünn bewachsen, große Zwischenräume aufweisend; spärlich:
eine -e Stelle im Wald;
-e (weite) Maschen;
der Wald wurde -er;
sein Haar ist schon ziemlich l.;
die Bäume stehen l.;
Ü die Reihen der alten Kameraden wurden -er (es sind schon einige gestorben).
3. (von Öffnungen o. Ä.) von der einen zur anderen inneren Begrenzungsfläche gemessen:
eine -e Höhe, Weite von 5 cm.

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Licht,
 
im engeren Sinn der für das menschliche Auge sichtbare Bereich der (z. B. von der Sonne u. a. Gestirnen ausgehenden) elektromagnetischer Strahlung mit Wellenlängen zwischen etwa 380 und 780 nm (sichtbares Licht), im weiteren Sinn der Wellenlängenbereich zwischen etwa 100 nm und 1 mm (optisch Strahlung), der auch die Infrarotstrahlung (IR-Strahlung, λ > 780 nm) und die Ultraviolettstrahlung (UV-Strahlung, λ < 380 nm) umfasst (unsichtbares Licht); die Grenzen zu Strahlung mit noch längeren (Mikrowellen) beziehungsweise kürzeren Wellenlängen (Röntgenstrahlung) sind fließend (elektromagnetische Wellen).
 
Die physikalischen Eigenschaften des Lichts und seine Gesetzmäßigkeiten werden in der Optik behandelt. Das einfachste Beschreibungsmodell des Lichts liefert die geometrische Optik, in der die Gesetzmäßigkeiten der Lichtausbreitung (z. B. Reflexion, Brechung) als geradlinige Strahlenbündel behandelt werden. Eine weiter gehende Beschreibung gestattet die Wellenoptik. Den verschiedenen Lichtfarben entsprechen Wellen verschiedener Wellenlänge beziehungsweise Frequenz. Während einfarbiges (monochromatisches) Licht nur Strahlung eines engen Frequenzbandes enthält, entsteht weißes Licht als Überlagerung aller Wellenlängen der sichtbaren Strahlung; durch ein Prisma kann es räumlich abgelenkt (Brechung) und in seine Spektralfarben zerlegt werden (Dispersion). Licht breitet sich im Vakuum geradlinig mit der Lichtgeschwindigkeit c aus; Frequenz ν und Wellenlänge λ sind durch die Beziehung c = νλ miteinander verknüpft. Damit werden v. a. die Erscheinungen der Beugung, Interferenz, Polarisation und der Kohärenz verständlich. In der Quantenoptik beschreibt man Licht als Strom von Elementarteilchen, den Lichtquanten oder Photonen, die die Energie W = hν und den Impuls p = hν / c (h plancksches Wirkungsquantum) tragen. Mit der Quantennatur des Lichts sind Lichtemission und -Absorption erklärbar, die auf energetischen Übergängen in der Elektronenhülle der Atome (oder Moleküle) basieren. Dabei wird beim Übergang eines atomaren Systems von einem angeregten Zustand auf einen niedrigeren Energiezustand die Energiedifferenz zwischen den Energieniveaus als Licht (Photonen) definierter Frequenz abgestrahlt. Diese Übergänge können zufällig erfolgen oder (wie beim Laser) durch Strahlung angeregt werden (spontane beziehungsweise induzierte Emission). Die Teilchennatur des Lichts zeigt sich auch in Effekten wie dem Compton-Effekt und dem Photoeffekt. - Physikalisch korrekt wird Licht als elektromagnetischer Vorgang im Rahmen der Quantenelektrodynamik beschrieben. Eine anschauliche Vorstellung ist nur mit den komplementären Bildern Welle und Teilchen möglich (Komplementarität, Welle-Teilchen-Dualismus), wobei den Wellengrößen Frequenz, Wellenlänge, Polarisation und Kohärenz die Teilchengrößen Energie, Impuls, Drehimpuls und Photonenstatistik entsprechen. Je nach den experimentellen Gegebenheiten tritt einer dieser Aspekte in den Vordergrund.
 
Methoden der Lichterzeugung und -Anwendung zur Beleuchtung werden in der Lichttechnik, der Lichtmessung z. B. in der Photometrie und Farbmetrik behandelt.
 
 
Zwei Theorien über die Natur des Lichts spielten seit dem 17. Jahrhundert eine Rolle. Die Emanations- oder Emissionstheorie (R. Descartes; I. Newton, 1704) beschreibt Licht als einen Strom kleiner materieller Teilchen, die von der Lichtquelle emittiert werden und deren elastische Eigenschaften die Änderung der Lichtausbreitung bei Brechung und Reflexion erklären sollten. Nach der Wellen- oder Undulationstheorie (F. M. Grimaldi, 1665; R. Hooke, 1665; C. Huygens, 1678) ist Licht eine Wellenerscheinung in einem sehr feinen, kontinuierlichen, elastischen Medium, dem Lichtäther (Äther), in dem die Lichtausbreitung als Überlagerung von Kugelwellen (huygenssches Prinzip) erklärt wurde. Im 19. Jahrhundert schienen die Experimente zur Interferenz, Beugung und Polarisation des Lichts und ihre zwanglose wellentheoret. Deutung (T. Young ab 1800, A. Fresnel ab 1815, J. Fraunhofer ab 1821) eindeutig die Wellenvorstellung zu bestätigen, wobei Young 1817 erstmals Lichtschwingungen senkrecht zur Ausbreitungsrichtung annahm und Fresnel ab 1821 Lichtwellen als Transversalwellen in einem alle Stoffe durchdringenden elastischen Lichtäther behandelte.
 
Die Erfolglosigkeit aller Experimente zum Nachweis des Lichtäthers, insbesondere der Michelson-Versuch, machte jedoch alle Äthertheorien des Lichts (elastische oder mechanische Lichttheorien) hinfällig. Die 1864 von J. C. Maxwell formulierte elektromagnetische Lichttheorie - eine Wellentheorie, in der die Lichtschwingungen zur Ausbreitungsrichtung des Lichts transversale Schwingungen von elektrischen und magnetischen Feldern sind - wurde allgemein akzeptiert, als H. Hertz 1886 die postulierten elektromagnetischen Wellen experimentell realisiert hatte und nachwies, dass ihre Ausbreitungsgeschwindigkeit mit der Lichtgeschwindigkeit identisch ist. Auf dieser experimentellen Grundlage entwickelte A. Einstein die spezielle Relativitätstheorie. Durch die von M. Planck (1900) zur Erklärung der Strahlungsgesetze eingeführten Energiequanten und die aus der Erklärung des Photoeffekts entstandene Photonen- oder Lichtquantenhypothese von Einstein (1905) wurden dem Licht neben der Wellennatur wieder korpuskulare Eigenschaften zugesprochen. Nachdem die Photonenhypothese 1923 von A. H. Compton experimentell bestätigt worden war, interpretierte N. Bohr 1927 beide Vorstellungen als komplementäre Aspekte derselben physikalischen Realität (Welle-Teilchen-Dualismus), die heute durch die Quantenoptik beschrieben wird.
 
 
Das Licht ist einer der wichtigsten abiotischen Faktoren (Lichtfaktor) für nahezu alle Organismen.
 
Von Pflanzen, für die Licht einer der ausschlaggebenden Standortfaktoren ist, wird Licht im Rahmen der Photosynthese als Energieträger genutzt, Licht steuert Stoffwechselprozesse (z. B. Biosynthesen, die Intensität der Photosynthese, die Photorespiration), Entwicklungsvorgänge (z. B. Keimung, Blütenbildung), Bewegungsvorgänge (Phototropismus). In Anpassung an das Lichtangebot existieren mannigfaltige morphologische (z. B. Blattformen, Behaarung als Lichtschutz) und physiologische (z. B. Blattbewegungen, unterschiedlicher Chlorophyllgehalt) Adaptationen.
 
Die meisten Tiere und der Mensch besitzen unterschiedlich lokalisierte, spezielle Pigmente, die Lichtenergie absorbieren können (Lichtsinn). Licht beeinflusst die Aktivität vieler Tiere, was sich in lichtabhängigen Verhaltensweisen äußert (Unterscheidung in tag-, dämmerungs- und nachtaktive Tiere). V. a. bei Vögeln, aber auch bei vielen anderen Tiergruppen finden sich lichtabhängige Formen der Kompassorientierung; außerdem hat Licht eine wichtige Funktion als Zeitgeber (z. B. morgendlicher Beginn des Vogelgesangs oder Beginn des Vogelzugs bei bestimmten Tageslängen). Licht hat weiterhin bei vielen Tieren einen unmittelbaren Einfluss auf das äußere Erscheinungsbild, so existieren z. B. bei ständig dem Licht ausgesetzten Tieren lichtschützende Hautfarbstoffe, auch ist der physiologische Farbwechsel in der Regel lichtabhängig. Bei vielen Schmetterlingen gibt es in Abhängigkeit von den Lichtbedingungen (Kurz- oder Langtag) jahreszeitlich unterschiedliche Formen (Saisondimorphismus).
 
 
und Philosophie: Licht und sein Gegensatz Dunkelheit gehören zu den Ursymbolen der Menschheit; der Wechsel von Tag und Nacht, Licht und Schatten bestimmt die Naturabläufe sowie menschliches Leben. Beide Größen sind ambivalent: Dunkelheit gehört mit Schlaf, Angst und Chaos, aber auch Geborgenheit zusammen, Licht mit Wachheit, Sicherheit, Ordnung, aber auch Gefahren; im Allgemeinen überwiegen bei Licht die positiven Assoziationen. In den Religionen wird diese Lichtsymbolik aufgegriffen, sie beeinflusst - einschließlich der entsprechenden »Lichtträger« Sonne, Mond, Sterne, Blitz, Feuer - Mythos und Kult. Während in den ältesten Formen von Religion die »Mutter Erde« und die von ihr vermittelte Existenz und Geborgenheit im Vordergrund standen, treten mit der »Verfeinerung« der religiösen Entwicklung Himmelsgötter in den Vordergrund; ihre Lichtgestalten lassen die Erde als Bereich der Dunkelheit erscheinen. Die Vergeistigung der Gottesvorstellung lässt eine Dualität und oft auch einen Dualismus von Gott und Welt, oben und unten, Licht und Finsternis, Geist und Materie entstehen. Die frühen Hochkulturen kennen Lichtgottheiten, die wie die altiranischen und vedischen Devas den dem Bereich der Erde und des Dunkels näheren Göttern gegenüberstehen, oder auch einzelne Lichtgötter, denen eine zentrale religiöse Bedeutung zukommt: Der Feuergott Agni (Veden) oder Atar (altiranische Religion) repräsentiert die zentrale kosmische und kultische Kraft; in der altägyptischen Religion spielt unter wechselnden Namen der Leben spendende Sonnengott eine große Rolle, bis er in der Reform des Echnaton zum universalen Schöpfer und Herrn aller Menschen wird; in der babylonischen Religion ist der Sonnengott Schamasch zugleich oberste ethische Instanz, in dessen Namen der König Hammurapi um 1700 v. Chr. den Codex Hammurapi, eine der ältesten Gesetzessammlungen, verkündet; die Blitze schleudernden Zeus beziehungsweise Jupiter stehen an der Spitze des griechischen beziehungsweise römischen Pantheons. Der Sonnengott Helios beziehungsweise Sol wird in der Kaiserzeit als »Sol invictus« zeitweise zum alleinigen und universalen Herrn der Welt; nach dem griechischen und v. a. hellenistischen Lichtmystizismus entstammen die Seelen dem ätherischen Feuer; Licht ist kosmische Kraft und zugleich Vernunft. Die chinesische Religion strebt in allen Lebensbereichen Harmonie mit den Gesetzen »des Himmels« an. Die zentralen Gottheiten der vorkolumbischen Kulturen Amerikas symbolisieren die Kraft der Sonne.
 
Die Polarität von Licht und Finsternis wird oft zu einem kosmischen und ethischen Dualismus gesteigert, der die Zerrissenheit menschlicher Existenz spiegelt. In der Religion Zarathustras, in der Gnosis der römischen Kaiserzeit wie im Manichäismus ist alles bestimmt vom Kampf der Welt und der Gottheiten des Lichts mit den Mächten der Finsternis; ähnliche Gedanken kannten die Katharer des Hochmittelalters; im Frühjudentum (Qumran, zwischentestamentliche Literatur) symbolisieren Licht und Finsternis radikale ethische Alternativen. Vergleichbare Vorstellungen finden sich in vielen Religionen.
 
Auch im Alten Testament findet sich die Lichtsymbolik, im ersten Schöpfungsbericht wird als Erstes das Licht erschaffen (Gen. 1, 3); dennoch kennt das Gottesverständnis keine solaren Züge, Licht und Sonne sind kreatürlich. In diesem metaphor. Sinn wird die Lichtsymbolik auch im Neuen Testament verwendet: Jesus (Johannes 8, 12) oder die Christen (Matthäus 5,14) sind »Licht der Welt«, v. a. das Johannesevangelium benutzt die antithetischen Begriffe Licht und Finsternis, Wahrheit und Lüge u. a. Das Neue Testament beschreibt die Finsternis dabei auch als Ort der Verlassenheit und Gottesferne, dort »wo Heulen und Zähneklappern sein wird« (z. B. Matthäus 8, 12.). Im Gefolge der Einflüsse des hellenistischen Christentums spielt in der christlichen Liturgie die Lichtsymbolik (Kerze, besonders Oster- und Taufkerze, Osterfeuer) eine große Rolle.
 
Der Koran nennt Allah das »Licht des Himmels und der Erde« (Sure 24, 35).
 
Im Volksglauben und Brauchtum wurde dem Licht reinigende und mantische Wirkung (u. a. Orakel, Lichterschwemmen) zugewiesen; es galt wie die Sonne als Symbol des Lebens (z. B. Lebenslicht). Von der dem religiösem Brauchtum bedeutsamen Lichtsymbolik und der magischen Wirkung des Brennens beeinflusst erscheinen viele Lichterbräuche, z. B. Lichterprozessionen (u. a. an Lichtmess, Mittfasten), Feuer (v. a. bei Frühlingsfesten, Johannisfeuer), Kerzen (v. a. Advent und Weihnachten; besonders im bergmännischen Brauchtum).
 
In der Philosophiegeschichte wird der Begriff des Lichts sowohl als Metapher für die Intelligibilität des Seins, der Wirklichkeit als solcher und für den menschlichen Akt der Wahrheitserkenntnis verwendet (v. a. in der griechischen Philosophie, z. B. bei Parmenides, Platon) als auch im Rahmen einer im Neuplatonismus erstmals ausgebildeten Lichtmetaphysik. Hierin ist das Licht Bestandteil einer Ontologie (z. B. wird der Grund alles Seienden als »Licht« gedeutet). Diese Lichtmetaphysik wurde von Augustinus und den jüdisch-arabischen Philosophen weitergeführt; auf dieser Grundlage haben im Mittelalter besonders R. Grosseteste und Bonaventura eine eigene Lehre vom Licht entwickelt (das Licht präge als erste Wesensform die Materie und bereite sie für die weitere Entfaltung), ähnlich in der Renaissance Pico della Mirandola, G. Bruno. Noch F. W. J. Schelling sah das Licht als das »Werden, die Produktivität selbst« und G. W. F. Hegel als »existierendes allgemeines Selbst der Materie«, das unendlich den Raum erzeugt.
 
 
Neben seiner Funktion des Sichtbarmachens der Gegenstandswelt besitzt Licht zugleich eine künstlerische Aussagekraft. Daraus ergibt sich ein Wechselverhältnis von Licht und Bildwelt: Das Licht zeigt einerseits die Bildwelt, andererseits tritt es erst durch seine spezifische Ausprägung innerhalb der Bildwelt in Erscheinung. Im Mittelalter beherrschten das Leuchtlicht der Farbe und der Eigenglanz des Goldes die Malerei als Eigenlicht (Höhepunkt in der ottonischen Buchmalerei um 1000). Zu großer Ausstrahlung gelangte das mittelalterliche Eigenlicht in der Glasmalerei französischer gotischer Kathedralen.
 
Erst die neuzeitliche Malerei des 15.-18. Jahrhunderts verwendete die unsichtbare Lichtquelle außerhalb des Bildes, die als Beleuchtungslicht Reflexe und Schatten auf den Gegenständen der Bildwelt erzeugt. Im Gegensatz zur mittelalterlichen Malerei sind nun Eigenlicht und Lichtquelle nicht mehr identisch. Das neuzeitliche Bildlicht ist von drei Möglichkeiten der Gestaltung bestimmt: 1) Die Lichtquelle liegt außerhalb des Bildraumes und schickt einen scharf gebündelten Strahl ins Bild (dargestellt durch entsprechendes Körperlicht, Körperschatten, Schlagschatten; z. B. »Die Berufung des Matthäus« von Caravaggio, um 1600; Rom, San Luigi dei Francesi, Cappella Contarelli). 2) Die Lichtquelle liegt außerhalb des Bildraumes und schickt ein breites, ungebündeltes Licht ins Bild (dargestellt durch verschiedene Zwischenstufen von Hell und Dunkel (Helldunkel), wobei der Akzent der Gestaltung insgesamt sowohl auf Helligkeit als auch auf Finsternis oder gleichmäßig verteilt auf beiden liegen kann, z. B. als ausgeglichenes Helldunkel-Bild-Licht; z. B. »Die Jünger von Emmaus« (von Rembrandt, 1648; Paris, Louvre). 3) Die Lichtquelle befindet sich im Bild selbst und gibt einen gebündelten Strahl ab oder verteilt ein breites, ungebündeltes Licht. Zu unterscheiden sind außerdem verschiedene Arten des Lichts: natürliches Licht (Sonne, Mond, Tageslicht), künstliches Licht (Kerze, Fackel, Feuer), sakrales Licht (Heiligenschein).
 
In der Malerei des 19. Jahrhunderts herrscht das natürliche Licht der Tages- und Jahreszeiten nicht nur in Landschaftsbildern, sondern auch bei Innenraumbildern vor, das als nicht an die begrenzenden Rahmen des Bildfeldes gebundenes Freilicht den Motivausschnitt durchstreift. Der Impressionismus hebt das Prinzip der Beleuchtung auf, sammelt das freie Licht im Mittel des Leuchtlichts der einheitlich organisierten Farbfläche.
 
In der Malerei des 20. Jahrhunderts sind Licht und Schatten zur Farbe geworden. Hierin liegt ein entscheidender Bedeutungswandel: Die Farbe ist nicht mehr, wie in der gesamten abendländischen Malerei vom Mittelalter bis zum Impressionismus, eine Funktion des Lichts, sondern das Licht ist zu einer Funktion der Farbe geworden.
 
 
 
H. Haken: L. u. Materie, 2 Bde. (21989-95);
 R. P. Feynman u. a.: Vorlesungen über Physik. Bd. 1: Hauptsächl. Mechanik, Strahlung u. Wärme (a. d. Amerikan., Neuausg. 31997).
 
Weitere Literatur: Optik.
 
 
F. Schwerdtfeger: Ökologie der Tiere, Bd. 1: Autökologie (21977);
 
G. Richter: Stoffwechselphysiologie der Pflanzen (51988).
 
Religion u. Philosophie:
 
S. Aalen: Die Begriffe »L.« u. »Finsternis« im A. T., im Spätjudentum u. im Rabbinismus (Oslo 1951);
 
W. Beierwaltes: Lux intelligibilis (Diss. München 1957);
 
H. Blumenberg: L. als Metapher der Wahrheit, in: Studium generale, Jg. 10 (1957); K. Goldammer: Die L.-Symbolik in philosoph. Weltanschauung, Mystik u. Theosophie vom 15.-17. Jh., in: ebd., Jg. 13 (1960); H. Jonas: Gnosis u. spätantiker Geist, Tl. 1: Die mytholog. Gnosis (41964, Nachdr. 1988);
 
D. Bremer: L. als universales Darstellungsmedium, in: Archiv für Begriffsgesch., Bd. 18 (1974);
 
K. Hedwig: Sphaera lucis. Studien zur Intelligibilität des Seienden im Kontext der mittelalterl. L.-Spekulation (1980);
 
F. Heiler: Die Religionen der Menschheit (41982);
 
H. H. Malmede: Die L.-Symbolik im N. T. (1986).
 
 
H. Sedlmayr: Das L. in seinen künstler. Manifestationen (1979);
 
W. Schöne: Über das L. in der Malerei (81994).
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
Licht: Informationen aus dem Weltall
 
Quantenphysik und eine neue Deutung der Naturgesetze
 

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Lịcht, das; -[e]s, -er u. (veraltet, dichter.:) -e [mhd. lieht, ahd. lioht, urspr. = das Leuchten, Glanz; 5: der Nasenschleim wird mit einem überlaufenden Talglicht verglichen]: 1. <o. Pl.> a) etw., was die Umgebung hell macht, erleuchtet u. dadurch Dinge sichtbar macht; Helligkeit; von einer Lichtquelle ausgehender Schein: helles, schwaches, mildes, fahles L.; natürliches, ultraviolettes L.; das L. der Sonne, der Lampe; Das L. der Taschenlampe tastet die Wände ab (Ossowski, Flatter 64); das grelle L. blendet; Das blasse L. war der Widerschein der Straßenlampe, die seit einigen Tagen wieder brannte (H. Gerlach, Demission 202); L. fällt durch den Türspalt; das L. bricht sich im Prisma; die dunkle Tapete schluckt viel L.; geh mir aus dem L.! (tritt aus dem Lichtschein, der auf mich auftreffen soll u. der im Moment auf dich auftrifft, heraus!); etw. gegen das L. halten; jmdm. das L. nehmen, im L. stehen; An einem Winterspätnachmittag saß sie in dem gelben L., das von außen kam, am Fenster des ausgedehnten Wohnraums an einer elektrischen Nähmaschine (Handke, Frau 7); der Raum ist von künstlichem L. erhellt; Spr wo [viel] L. ist, ist auch [viel] Schatten (wo es [viel] Positives gibt, gibt es auch [viel] Negatives); Ü das göttliche L.; das L. des Geistes; *das L. der Welt erblicken (geh.; geboren werden); L. auf jmdn., etw. werfen (jmdn., etw. in bestimmter Weise erscheinen lassen; jmdn., etw. [in bestimmter Weise] deutlich werden lassen): sein wirkliches Bild ergibt sich ... auch aus jenen nüchternen Dokumenten, die etwas L. auf sein alltägliches Leben werfen (Reich-Ranicki, Th. Mann 20); das Verfahren ... wirft ein so schreckliches L. auf die berufliche Fähigkeit unserer Dorfpolizei (Dürrenmatt, Richter 16); So was wirft bloß ein schlechtes L. auf meine Station (Sebastian, Krankenhaus 51); L. in etw. bringen (eine Angelegenheit aufklären, aufhellen): sein Geständnis hat L. in die Affäre gebracht; jmdn. hinters L. führen (jmdn. täuschen; eigtl. = jmdn. nach der Seite führen, nach der hin der Lichtstrahl einer Lampe abgeschirmt ist): wenn wir uns nicht seit zehn Jahren kennen würden, könntest du mich vielleicht hinters L. führen (Becker, Tage 21); jmdn., etw. ins rechte L. rücken/setzen/stellen (dafür sorgen, dass jmd., etw. vorteilhaft o. ä. erscheint); etw. in rosigem, im rosigsten L. sehen/darstellen (etw. sehr positiv beurteilen); etw. in einem milderen L. sehen (etw. für nicht so schlimm halten); sich selbst im L. stehen (sich selbst schaden); b) Tageslicht: das L. kommt durch zwei Fenster; die richtige Farbe kann man nur am L. sehen; ans L. gehen; der Baum vor dem Fenster nimmt viel L. weg; *das L. scheuen (etw. zu verbergen haben); L. am Ende des Tunnels sehen (in schwieriger Lage Anzeichen für eine Besserung, einen Hoffnungsschimmer entdecken): Die Genossen sahen L. am Ende des Tunnels: Auf Kosten des Staates wird ihnen ein Teil ihrer Altschulden erstattet (Spiegel 44, 1983, 18); etw. ans L. bringen/ziehen/zerren/holen (etw. [Verheimlichtes] an die Öffentlichkeit bringen); ans L. kommen ([von etw. Verheimlichtem, Verborgenem] bekannt werden, offenbar werden): irgendwann werden deine Taten ans L. kommen; ans L. treten (geh.; erscheinen, auftauchen): ein riesiges Arsenal aller subversiven Ideen, die im Laufe der letzten Generationen ans L. getreten waren (Friedell, Aufklärung 17); bei L. besehen (genauer betrachtet): Bei L. besehen, ist nämlich „Tonio Kröger“ weder novellistisch noch lyrisch oder balladesk (Reich-Ranicki, Th. Mann 94); c) Beleuchtung (1 a): schlechtes L.; im Keller gibt es kein L.; weil es ja in der ausgebombten Nietzschestraße noch kein elektrisches L. gab (Hilsenrath, Nazi 75); bei diesem L. kann ich nicht arbeiten; L. machen (die Beleuchtung einschalten); *in einem guten/günstigen/schlechten o. ä. L. erscheinen/stehen (einen guten, günstigen, schlechten o. ä. Eindruck machen). 2. a) <Pl. -er> Lampe, Lichtquelle: ein spärliches, helles L.; offenes L. (Lichtquelle mit einer brennenden Flamme); das L. ist an, brennt, geht aus, ist aus; das L. anknipsen, anmachen, ein-, ausschalten; im Wohnzimmer brennen alle -er; Feuer und offenes L. (frei brennende Lichtquelle) verboten!; *grünes L. geben (die Erlaubnis geben, etw. in Angriff zu nehmen; nach dem grünen Licht von Verkehrsampeln o. Ä.); das ewige L. (kath. Kirche; ununterbrochen brennende rote Lampe als Zeichen der Gegenwart Christi); in einem Land, an einem Ort gehen die -er aus (um etw. sieht es düster aus, ist es schlecht bestellt): in Deutschland gingen damals die -er aus; b) <Pl. auch: -e> Kerze: das L. flackert, brennt ruhig; die -er anzünden, ausblasen; die -er am Christbaum aufstecken; *kein/nicht gerade ein großes L. sein (ugs.; ↑Kirchenlicht); ein kleines L. sein (ugs.; eine unbedeutende Person sein): Natürlich ist sie nur ein kleines L. in dieser umfangreichen Propagandamaschinerie (Weber, Tote 72); jmdm. geht ein L. auf (ugs.; jmd. versteht, durchschaut plötzlich etw.); sein L. leuchten lassen (sein Wissen, Können zeigen, zur Geltung bringen; nach Matth. 5, 16); sein L. [nicht] unter den Scheffel stellen (seine Leistungen, Verdienste [nicht] aus Bescheidenheit verbergen; nach Matth. 5, 15); jmdm. ein L. aufstecken (ugs.: jmdn. [tadelnd, vorwurfsvoll] in Bezug auf einen bestimmten Sachverhalt belehren, aufklären; jmdm. erklären, wie sich die Dinge in Wirklichkeit verhalten; nach dem Bild des Aufsteckens einer Kerze auf einen Kerzenleuchter); ∙ das L. [bei etw.] halten (bei der Ausführung einer unrechten Tat behilflich sein; eigtl. = jmdm. bei seinem unrechten Tun im Dunkeln leuchten): Warum soll's Ruprecht just gewesen sein? Hat Sie das L. dabei gehalten (Kleist, Krug 9); c) <o. Pl.> (ugs. veraltend) elektrischer Strom, bes. zur Speisung von Beleuchtungskörpern: die Großeltern ließen sich damals L. (elektrische Leitungen) legen; die Rechnung für L. und Gas war sehr hoch. 3. <Pl. -er> (meist bild. Kunst) Glanzlicht (b): wenn man ... dann mit dem Schabeisen -er herausholt (Bild. Kunst III, 89); kastanienbraunes Haar mit goldenen -ern; Ü Mutter und Tochter, deren Beschreibung du mit einigen ironischen -ern versiehst (Th. Mann, Krull 402). 4. <Pl. -er; meist Pl.> (Jägerspr.) Auge des Haarwildes. 5. <Pl. -er> (bes. berlin. ugs.) herabhängender Nasenschleim: Der Junge zog ein kräftiges L. hoch (Tucholsky, Zwischen 115).

Universal-Lexikon. 2012.

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